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Margrith-Lydia Bolliger

Was ist für mich sehenundschauen?

Im Anblick wende ich mich nach Aussen, ich blicke um mich. Mein Blick begegnet den Dingen, die mich umgeben.

Ich sehe sie, taste sie mit meinen Augen ab, taste mich an sie heran, versuche zu erschauen was sie mir mitzuteilen haben, was sie mit mir teilen wollen.

Hinter den Dingen, in ihnen und durch sie hindurch will sich mir etwas Wesenhaftes mitteilen, sich mir verständlich machen.

Dieses Etwas will gesehen werden, möchte sichtbar werden. Auch ich werde von den Dingen angeblickt. Stumm, erwartungsvoll,ernst, besinnlich, fragend, hoffend, schelmisch, auffordernd, ausdrucksvoll, mich ergreifend.

Kann ich innerlich erschauen was mir als Botschaft zukommen möchte, gelingt es mir diese umzusetzen?

Das sind die Fragen die mich bewegen wenn ich zu Pinsel und Farben greife, zu Stift und Papier.


Einige Aussagen von Rudolf Steiner, die mich auf dieser Suche begleiten:

Wir wissen, wie nur eine materialistische Weltanschauung des Glaubens sein kann, dass allein der Mensch innerhalb der Weltenordnung mit einem Erkenntnis-, Gefühls- und Willensvermögen begabt sei, während man anerkennen muss vom Standpunkte einer spirituellen Weltanschauung, dass ebenso, wie es unterhalb der Menschenstufe Wesenheiten gibt, es auch Wesenheiten gibt oberhalb der menschlichen Stufe des Denkens, Fühlens und Wollens. In diese Wesenheiten kann sich der Mensch einleben, wenn er als Mikrokosmos im Makrokosmos untertaucht.
GA 275, 31.12.1914

Anthroposophie will eine geisterfüllte Naturwissenschaft geben, eine den Menschen belebende Naturwissenschaft, und was da hereinträufelt als Erkenntnis des Geistes in der Natur, das verwandelt sich im Menschen, genauso wie sich die Nahrungsmittel in physischer Beziehung im Menschen verwandeln, in soziale Kraft. Man würde es erleben, wenn man ernsthaftig auf diese Dinge eingehen wollte, dass Geist-Erkenntnis als Nahrung der Seele aufgenommen, verdaut würde, […] um als sozial wirksame Kraft aufzutreten. Wir werden auf keine andere Weise soziale Impulse gewinnen als dadurch, dass wir geistige Erkenntnisse aus der uns umgebenden Natur aufnehmen.
GA 203, 21.1.1921