Renatus Derbidge

Renatus mit Merlin_für Anblick_HPWas ist für mich ‹Anblick – Zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt›?
Jedes Wort birgt eine Fülle an geheimen Bezügen, Assoziationen, Bildern und Verweisen. ‹Anblick› als Imperativ: «Schau hin, da ist etwas!» – es gilt Welt zu entdecken. Oder ‹Anblick› als Substantiv, dann hat es zwei Bedeutungen: Das Schauen von mir in die Welt, ich betrachte etwas; aber auch: da ist etwas, das mich anschaut. Eine Instanz, hinter dem Blick, ist erahnbar. Sowohl hinter mir, mit mir in die Welt schauend wie auch von den Dingen an mich heranbrandend. Zusammen kommen tuen beide Ströme erst durch mich. Sowohl im Sehen und Erkennen, aber auch im Erscheinenlassen. So wird ‹Anblick› zum Verb: Das ist der ‹Anblick›, der mir am meisten zusagt – als Prozess des Schauens verstanden, als Erlebnis und Begegnungsraum, in dem meine Anwesenheit gefragt ist, aufgehoben und umfangen von dem, was ich betrachte – eine ruhende Aktivität, tastend, schwebend, die sich warm und licht anfühlt, in der etwas keimen und reifen kann.
Als Dreischritt ‹Sehen – Blicken – Schauen› verweist ‹Anblick› auf eine evolutive Komponente, sich vom natürlichen Weltbezug zu einem schauenden Verhältnis zur Natur auf den Weg zu machen.

Zur Person
Renatus Derbidge, geboren 1979, aufgewachsen am Taunus, später in Frankfurt/Main. Studium der Biologie, Geographie und Philosophie in Berlin. Drei Jahre Lehrer an ‹Schule und Beruf› in Basel. Als Singer/Songwriter mit ‹The Loveshakes› unterwegs. Kursgeber in Sachen Naturbetrachtung, Wahrnehmungsschulung und Goethes Erkenntnistheorie. Heute tätig als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsinstitut am Goetheanum in Dornach (CH), aktuell mit dem Forschungsprojekt ‹Rhythmische Formveränderungen der Mistelbeere in Abhängigkeit von Mond-Tierkreis-Konstellationen›.

renatus.derbidge[at]sehenundschauen.ch